Dom St. Petri

Die größte Simultankirche Deutschlands

Unmittelbar nach der Errichtung der deutschen Herrschaft in der Oberlausitz wurde in Bautzen die Petrikirche errichtet. Sie diente zugleich als Stiftskirche des Kollegiatkapitels St. Petri. Seit 1523 werden evangelische Gottesdienste im Dom gefeiert, jedoch konnte auch das Domstift, welches bei der katholischen Konfession blieb, seine Stellung halten. Der Stadtrat als Vertreter der evangelischen Gemeinde und das Domstift schlossen 1543 einen ersten Vertrag, durch welchen das Miteinander der beiden Konfessionen in einer Kirche geregelt wurde. Weitere Verträge folgten. 

Der Domteil östlich des Lettnergitters wurde weiterhin vom Domstift und der kleinen katholischen Gemeinde genutzt, der Westteil wurde den Evangelischen zur Verfügung gestellt. Auch die zeitliche Trennung der Gottesdienst wurde vertraglich festgelegt.

1848/51 trat das Domstift den evangelischen Domteil eigentumsmäßig an den Stadtrat ab, wodurch das Gitter zur Grundstücksgrenze wurde. Die Domverträge sind auch heute noch gültig und bilden die rechtliche Grundlage für das Simultaneum im Bautzener Dom St. Petri.

Öffnungszeiten Dom St. Petri

Montag bis Freitag 10.00 bis 17.30 Uhr
Samstag 10.00 bis 16 Uhr
Sonntag 12.00 bis 16.00 Uhr

An jedem Dienstag, 12.00 Uhr Orgelmusik,
anschließend um 12.15 Uhr Domführung

In den Jahren 2013-15 wurde der Dom im Inneren vollständig saniert und die Ausstattung restauriert. Leitend für die Arbeiten war die Farbfassung der Sanierung aus den fünfziger Jahren des 20. Jahrhundert. Das Gitter zwischen dem evangelischen und dem katholischen Domteil wurde umgestaltet. Es hat nun zwei Durchgänge und den Handlauf zieren Verse aus dem Johannesevangelium, aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu.

Der Südaltar im Dom

Nach dem 30jährigen Krieg entwickelte sich das Gemeindeleben der evangelischen St. Petri-Gemeinde auf eine bisher kaum erreichte Höhe.

Das geistliche Zentrum war der 1644 gestiftete große Abendmahlsaltar, gefertigt von einem unbekannten Zittauer Künstler. An der Rückseite befand sich seit dem Jahre 1700 ein Opferkasten, mit dessen Erträgen das Bautzener Waisenhaus bis 1922 unterstützt wurde. Auch die drei Spitäler Zum Heiligen Geist, Maria-und-Martha und Zum Taucher wurden finanziell und geistlich unterstützt. Der in Wort und Sakrament wurzelnden Frömmigkeit entsprossen Taten sozialer Liebe. Kunstwerke des evangelischen Domteils bezeugen die gläubige Bürgergesinnung: Bilder von Matthäus Crocinus, Leuchter von Gregorius Mättig und Abendmahlsgeräte, gestiftet von mehreren Bautzener Bürgern. Der Dom war auch Wirkungsstätte des Stadtmusikers Johann Pezelius (1639–1694), dessen Bläsermusik noch heute aufgeführt wird ...

Ökumene

Das Zusammenleben in einem Gotteshaus braucht seit Jahrhunderten genaue Absprachen und gute Zusammenarbeit. Das Gitter, welches den evangelischen und den katholischen Teil trennt, ist seit 1954 nur noch einen Meter hoch.

Zunehmend gehen beide Konfessionen aufeinander zu. Das ökumenische Martinsfest ist seit Jahrzehnten die größte Veranstaltung für Kinder in der Stadt. Im Juli 2007 wurde von den beiden Gemeinden das erste ökumenische Gemeindefest vor dem Dom gefeiert.

Dazu kommen jährlich gemeinsame Gottesdienste (Buß- und Bettag, Altjahresabend) und Seminare sowie mehrere gemeinsame Beratungen der Pfarrer und der Vorstände.

Mättig-Epitaph

Das knapp 400 Jahre alte Mättig-Epitaph gehört sowohl von der Ausführung als von seiner Größe her zu den bedeutendsten Werken in den Kirchen der Oberlausitz. Das monumentale Epitaph im Bautzener Dom ist eine der wichtigsten Stätten der Erinnerung an den Mediziner, Ratsherrn und Mäzen Gregorius Mättig (1585–1650). Dieser zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der Bautzener Stadtgeschichte. Mehr als 1000 jungen Menschen ermöglichten seine Stiftungen unter anderem ein Studium oder den Schulbesuch. Nachdem die Stiftungen in der Zeit der Naziherrschaft aufgelöst wurden, kam es 2007 zur Neugründung der Dr.-Gregorius-Mättigstiftung als Bürgerstiftung der Region.

Im Herbst 2020 konnten die Restaurierung des Mättig-Epitaphs, welche sich über einen Zeitraum von zehn Jahren erstreckte, abgeschlossen werden. Ermöglicht wurden die Arbeiten unter anderem von der Hermann-Reemtsma-Stiftung, der Mättig-Stiftung, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Kirchgemeinde und vielen Einzelspendern.

Weitere Informationen zur Stiftung unter: www.maettig-stiftung.de